Jan 05 2008

Absolutely Queer: Leonardo da Vinci

Published by floris at 02:49 under Absolutely Queer

Leonardo wurde 1452 bei Vinci und damit in eine von der Kirche beherrschte Zeit hinein geboren. Er hatte offenbar ein gefälliges Aussehen und ein fröhliches Wesen, und es kann anhand der Interpretation vieler Werke und seines Lebenslaufs als gesichert gelten, dass er schwul war.

Kurz zur Wortklärung: Das Wort schwul existierte zu Leonardos Zeit natürlich genausowenig wie das Konzept, das heute damit verbunden wird. Daher kann Leonardo also auch streng genommen nicht schwul in heutigem Sinne gewesen sein. 1476, also mit 24 Jahren, wurde Leonardo der Sodomie mit dem 17-jährigen Modell Jacopo Saltarelli angeklagt, also einer Praxis sexueller Handlungen, die nicht der Fortpflanzung diente. Wegen mangelnder Beweise wurde er übrigens freigesprochen.

Leonardo: Kopf des Salaj

Es kann davon ausgegangen werden, daß Leonardo schöne, mädchenhaft aussehende Jünglinge nicht nur begehrte, sondern sich auch in den einen oder anderen verliebte. So war sein schlechtester Schüler Salaj (ein Spitzname, Leonardo nannte ihn Salai, Teufelchen) sein vielleicht bedeutsamster Liebhaber. Salaj sei ein Dieb, Lügner, dickköpfig und ein Vielfraß, schrieb Leonardo. Dennoch lebte er, wenn man so will, über 30 Jahre mit ihm zusammen, in einer wenigstens zeitweise sexuellen Beziehung.

Diese bestand auch weiter, als der 15-jährige Francesco Melzi als neuer (und künstlerisch wesentlich begabterer) Schüler und Liebhaber in Leonardos Leben trat. Die Beziehungen zu Francesco und Salaj bestanden beide bis zum Tode Leonardos. Francesco erbte und übernahm den künstlerischen Nachlass – während der bis zum Schluß auf seinen Vorteil bedachte Salaj dafür gesorgt hatte, bereits in Leonardos letzten Jahren zahlreiche, größere Gemälde von ihm geschenkt zu bekommen.

Leonardo: Heiliger Johannes der Täufer

Sicherlich hatte Leonardo in seinem Leben viele Liebhaber. Portraitiert hat er allerdings wohl vor allem und immer wieder Salaj. Salaj ist (wahrscheinlich) genauso der ausschweifende Gott Bacchus wie Johannes der Täufer (Johannes war der unter seinen Jüngern, den Jesus am liebsten hatte). Daß Leonardo sich dabei immer an der Schwelle zur Ketzerei befand, wurde ihm schon zu Lebzeiten vorgeworfen.

So gibt es eine keineswegs abseitige Interpretation des Abendmahls, die die Dreiergruppe im rechten Bildteil als Leonardo (Mitte) mit Salaj (links) im Gespräch mit Platon identifiziert. Jesus sitzt weit links von der Gruppe, so daß es sich vorstellen läßt, Leonardo diskutiere mit Platon ein philosophisches Thema, während Salaj zwar ein bißchen vorwurfsvoll auf Jesus verweist, mit seiner Aufmerksamkeit aber doch bei dem Gespräch der beiden verweilt. So gesehen, eine moderne Szene eines (ein bißchen komplizierten) schwulen Beziehungslebens. Beim Silvesterfondue etwa.

Leonardo: Das letzte Abendmahl (Ausschnitt)

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